Pantano de El Chorro: Wo das türkisblaue Wasser an die Felswände grenzt
Bevor der Caminito del Rey berühmt wurde, war der Pantano de El Chorro der eigentliche Grund, warum man in diese Gegend kam. Ein dreifaches Seensystem von beinahe alpiner Anmutung, eingebettet in eine Felslandschaft, die irgendwo zwischen Provence und Patagonien wirkt. Türkis das Wasser, ocker die Felsen, dunkelgrün die Kiefern dazwischen – im Sommer wirken die Stauseen wie ein optisches Versprechen: Genau hier muss es kühl sein, hier muss es Schatten geben.

Drei Stauseen liegen hier eng beieinander. Der Embalse del Conde de Guadalhorce ist der älteste, fertiggestellt 1921, und gab dem Tal sein erstes Wasserkraftwerk. Der Embalse de Guadalteba kam 1971 dazu, um das wachsende Málaga mit Trinkwasser zu versorgen. Der Embalse de Guadalhorce schließlich, fertig 1973, fängt heute gemeinsam mit dem Guadalteba das Hochwasser ab und ist über einen Doppeldamm mit ihm verbunden. Dazu der kleine Embalse de Gaitanejo am Rand der Schlucht – Wasserwirtschaft als andalusisches Industriedenkmal.
Wer einen Tag länger Zeit hat als für den Caminito, sollte ihn hier verbringen. Der Pantano ist der ideale Ort, um die Region kennenzulernen, bevor man am nächsten Tag die Stege betritt – Aussichtspunkte über die Schlucht, leichte Wanderungen am Wasser, Picknickplätze unter Pinien und eines der bedeutendsten Klettergebiete Europas direkt an den Felswänden.
Drei Stauseen, eine Geschichte: Wie das Tal sein Wasser bekam
Vom Wasserkraftwerk 1921 zum Trinkwasserspeicher heute
Die Stauseen-Geschichte von El Chorro beginnt um 1900. Der spanische Ingenieur Rafael Benjumea, später Conde de Guadalhorce, plante ein Wasserkraftwerk in der Gaitanes-Schlucht, das die Region mit Strom versorgen sollte. Für den Bau brauchte es nicht nur einen Damm, sondern einen Versorgungsweg entlang der senkrechten Felswände – der spätere Caminito del Rey. Stauseen und Wanderweg sind also Geschwister, gleichen Ursprungs und gleicher Epoche.
Der erste See, der Embalse del Conde de Guadalhorce, wurde 1921 fertig. König Alfonso XIII. weihte ihn ein – der gleiche König, der dabei auch den engen Wartungsweg auf den Felswänden beging und ihm seinen Namen gab. Das Wasserkraftwerk versorgte das Tal mit Energie, der Stausee bewässerte die Felder des Guadalhorce-Tals. Die Region veränderte sich grundlegend: Aus einem unzugänglichen Schluchtgebiet wurde ein moderner Industriestandort.

| Stausee | Fertigstellung | Funktion |
|---|---|---|
| Embalse del Conde de Guadalhorce | 1921 | Energieerzeugung & Bewässerung des Guadalhorce-Tals |
| Embalse de Guadalteba | 1971 | Wasserversorgung für Málaga |
| Embalse de Guadalhorce (Doppeldamm) | 1973 | Hochwasserreserve, verbunden mit Guadalteba |
| Embalse de Gaitanejo | — | kleiner Vorratsspeicher in der Gaitanes-Schlucht |
Der Bau der späteren Stauseen ab 1971 zwang ganze Dörfer zur Aufgabe. Die Bewohner von Peñarrubia und der Eisenbahnstation Gobantes wurden umgesiedelt – viele zogen nach Santa Rosalía in Málaga oder bis nach Katalonien. Jährlich erinnert eine Wallfahrt zu Ehren der Virgen del Rosario an die verlassene Heimat. Auch die Bahnlinie musste umgelegt werden: 12,6 Kilometer neue Trasse, davon 8,3 Kilometer durch vier Tunnel, dazu 28 Kilometer neue Straßen. Eine Mammutaufgabe, deren Spuren bis heute prägen, wie man im Tal unterwegs ist.
Was man am Stausee erleben kann: Aussicht, Wandern, Klettern
Vom Mirador del Conde bis zur Felskante
Der bekannteste Aussichtspunkt ist der Mirador del Conde – eine Plattform direkt über dem Embalse del Conde de Guadalhorce, von der aus das ganze Seensystem überblickbar ist. Wer den Caminito del Rey am nächsten Tag wandert, sollte hier kurz halten: Von oben sieht man, was unten erst der Spaziergang über die Stege offenbart. Die Felswände, die später unter den Füßen versinken, türmen sich hier mächtig auf. Die Schlucht wird verständlich.

Rund um die Seen gibt es leichte Wanderungen, die als idealer Vorab-Tag funktionieren. Die Beine werden warm, die Augen gewöhnen sich an die Felslandschaft, ohne dass die volle Konzentration auf den Caminito-Stegen schon nötig wäre. Drei Routen lohnen besonders:
| Mirador-Runde | ca. 2 km · 45 min · Asphaltweg zum Aussichtspunkt mit Blick über alle drei Seen |
|---|---|
| Sendero del Embalse | ca. 5 km · 1,5 h · am Ufer des Conde de Guadalhorce entlang, mit Picknickplätzen unter Pinien |
| Ruta del Gaitanejo | ca. 4 km · 1 h · zur Vorab-Schlucht des Caminito, ohne Stege, gut für Familien |
| Gran Senda Etappe 24/25 | ca. 12–18 km · halbtägig · für ambitionierte Wanderer auf der 656 km langen Hauptroute der Provinz Málaga |

El Chorro als Klettergebiet: einer der wichtigsten Spots Europas
Tausend Routen an den Felswänden der Schlucht
Was viele Tagesausflügler nicht wissen: Die Felswände rund um den Pantano de El Chorro gehören zu den bedeutendsten Klettergebieten Europas. Über tausend Routen sind hier eröffnet, von Anfängerwänden bis zu Routen im neunten Grad. Die Kalkfelsen bieten festen Stein, gute Sicherungspunkte und ein Klima, das Klettern von Oktober bis Mai erlaubt – im Sommer ist es meist zu heiß.
Das Klettergebiet ist in mehrere Sektoren gegliedert: Las Encantadas, Los Cotos, Frontales – Namen, die unter europäischen Kletterern wie Markenzeichen klingen. Die berühmteste Linie ist „Poema de Roca“ im Sektor Los Cotos, eine Mehrseillängenroute, die über 200 Höhenmeter führt. Wer klettert, übernachtet meist auf dem Campingplatz La Garganta direkt am Bahnhof El Chorro oder in einer der kleinen Pensionen im Ort – die ganze Wirtschaft des Dorfes lebt mehr vom Kletter- als vom Caminito-Tourismus.
Klettern in El Chorro – kein Übungsgebiet ohne Erfahrung
Die Wände sind alpines Klettergelände. Mehrseillängen, eingebohrte Stände unterschiedlicher Qualität, lange Zustiege über wegloses Gelände, gelegentliche Steinschlag-Gefahr von oben. Wer hier zum ersten Mal klettern will, sollte sich einem lokalen Bergführer oder einer organisierten Gruppe anschließen.
Strenges Verbot: Im benachbarten Naturpark El Torcal de Antequera ist Klettern verboten. Wer am falschen Massiv ansetzt, riskiert hohe Bußgelder. Die Klettergebiete um El Chorro sind klar abgegrenzt und gut markiert.
Auch wer nicht selbst klettert, sieht den Sport hier ständig: Vom Aussichtspunkt über der Schlucht erkennt man die Seile, die Helme, die kleinen bunten Punkte an den Wänden. Wer beobachten will, geht zum Sektor Frontales – die Wand liegt vom Parkplatz aus gut einsehbar und ist meist gut besucht.

Fazit: Der perfekte Vorab-Tag für den Caminito – oder ein eigenständiges Ausflugsziel
Der Pantano de El Chorro ist mehr als nur Wasser am Caminito-Eingang. Drei Stauseen, ein Industriedenkmal, ein Wandergebiet, ein Klettermekka – die Region trägt mehrere Schichten. Wer den Caminito del Rey als Ziel hat, sollte einen Tag früher anreisen und am Stausee verbringen. Wer Klettern oder lange Wanderwege sucht, kommt sowieso für mehrere Tage. Die schönste Tageszeit ist der späte Nachmittag: Wenn das Licht die Felswände orange färbt und das Wasser noch tiefer türkis wirkt als am Mittag. Ein Spaziergang zum Mirador, ein Bier am Restaurant La Garganta, der Blick auf die Schlucht, durch die man am nächsten Tag wandern wird – ein besserer Auftakt für den Caminito-Tag ist schwer vorstellbar.
Mehr zur Region: Der eigentliche Tagesausflug zum Königsweg ist in Caminito del Rey ab Antequera beschrieben. Die Schlucht selbst, durch die das Wasser fließt: Desfiladero de los Gaitanes. Für die Anreise zum Pantano gilt: Anreise zum Caminito del Rey. Speziell für Kletterer: El Chorro Klettern & Bergsport. Für die gesamte Caminito-Region inkl. Detail-Routenseiten: go-caminito-del-rey.com.
Häufige Fragen zum Pantano de El Chorro
Kann man im Pantano de El Chorro baden?
Wie weit sind die Stauseen vom Caminito del Rey entfernt?
Lohnt sich der Pantano auch ohne Caminito-Ticket?
Wo kann man am Pantano de El Chorro übernachten?
Ist der Mirador del Conde mit dem Rollstuhl erreichbar?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber mehrerer Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026


